Ansichtssache.

Charmant, verspielt, geduldig, warmherzig, loyal, logisch, gewissenhaft, neugierig, nachdenklich usw. – mit welchen Worten würdet ihr eure Persönlichkeit beschreiben?

Eine spannende Sache mit der ich mich jetzt bereit seit einiger Zeit befasse sind die sogenannten Persönlichkeitstypen. Daher will ich euch heute einen kurzen Einblick in meine Erfahrungen in diesem Metier geben. Vorausschicken will ich dabei gleich, dass sich die Menschheit seit Jahrtausenden mit der Erforschung der menschlichen Persönlichkeit befasst. Und das mit verschiedensten Zugängen – von der wissenschaftlich erklärenden Seite bis hin zur Mystik bzw. okkulten Lehren. Im Berufsleben sind mir vor allem wissenschaftliche Typologien bzw. Persönlichkeitstests begegnet, welche für mich aber oftmals einen viel zu mechanistischen Zugang zu diesem Thema pflegen.

Mein besonders Interesse wurde erstmals bei der Transaktionsanalyse (TA) des kanadischen Psychiaters Eric Berne geweckt. Er geht dabei von der Annahme aus, dass jeder Mensch aus 3 verschiedenen Ich-Zuständen heraus kommunizieren kann, welche jeder von uns bereits in der Kindheit entwickelt: dem Eltern-Ich-Zustand, dem Erwachsenen-Ich-Zustand und dem Kind-Ich-Zustand. Diese Zustände wechseln sich ab – und das teilweise mehrmals in einem Satz! Je nach Ich-Zustand verhalten wir uns dabei:

– im Eltern-Ich-Zustand fürsorglich oder kritisch
– im Erwachsenen-Ich-Zustand logisch und nachvollziehbar
– im Kind-Ich-Zustand angepasst, rebellisch oder natürlich.

Auf Basis dieser 6 verschiedenen Verhaltens-Zustände entwickelte Dr. Taibi Kahler das Process Communication Model (PCM) und benannten die 6 Persönlichkeitstypen als: Logiker, Macher, Rebell, Empathiker, Träumer und  Beharrer.

Copyright @Flickr by Ian Muttoo

Ich habe diese Analyse vor ca. einem Jahr gemacht und war total begeistert von der Aussagekraft bzgl. der unterschiedlichen Verteilung dieser Persönlichkeitstypen in jedem von uns. Damit wurde mir schlagartig bewusst, warum ich so kommuniziere, wie ich es mache und vor allem, was meine Bedürfnisse dahinter sind. Damit weiß ich auch, dass diese befriedigt werden wollen und sich in Stresssituation einfach “ungefragt” durchsetzen. :-)

Praktisch einsetzbar sind diese Erkenntnisse in so ziemlich jeder Situation meines Lebens – vor allem natürlich in der Kommunikation mit Anderen. An dieser Stelle sei gleich gesagt, dass es dabei nicht darum geht andere zu manipulieren, sondern, überhaupt so etwas wie eine Kommunikationsebene zu finden. Was nützt es beispielsweise einem Gespräch, wenn mein Gegenüber über Tatsachen sprechen will und ich ihm mit meiner fürsorglichen oder rebellische Seite begegne. – Großes ABER: Das funktioniert solange ausgezeichnet, bis ich in Stress komme. Im Falle von Stress greife ich dann auf meine “Grundmuster/-typen” zurück – in diesem Fall wäre dann mein Gesprächspartner gefordert, mir auf meiner Ebene zu begegnen. (An unserer Kommunikation im Stress lassen sich im übrigen die dominanten Persönlichkeitsanteile hervorragend “ablesen”!)

Egal ob im Berufsleben, in der Partnerschaft, in der Kindererziehung usw. – das Wissen um die eigenen Anteile und die Wahrnehmung der Anteile unserer Gesprächspartner erleichtern das Leben sehr und schaffen viel Zufriedenheit, da die Kommunikation in den meisten Fällen viel besser klappt und wir auch unsere Bedürfnisse befriedigt bekommen. :-)

Wie schon gesagt, gibt es viele solcher Modelle und Methoden zur Bestimmung der Persönlichkeit, des Verhaltens, der Talente usw. – ich bin immer wieder überrascht, wieviele Menschen in meinem Umfeld bereits die eine oder andere Erfahrung diesbzgl. gemacht haben. Was mir jedoch nahezu jeder berichtet ist, dass die Begeisterung (sofern sie den überhaupt übergreift) häufig nur von kurzer Dauer ist & die gesammelten Erfahrungen so gar nicht in den Alltag integrierbar sind. Was dann zur Folge hat, dass die Motivation stark nachlässt und die jeweilige Analyse bald in Vergessenheit gerät.

Wichtig ist daher meines Erachtens, dass man sich Ziele steckt. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist der Bereich “Partnerschaft”. Hier könnte das Ziel z.B. lauten: “Ich will die Kommunikation verbessern und werde daher meine eigenen Bedürfnisse und die meines Partners hinterfragen.” – Das ist dann eine Sache, die uns tagtäglich begleitet und wo auch fleißig daran gearbeitet werden kann. Alleine die klare Kommunikation von Bedürfnissen (z.B. nach Spaß, Ruhe, Zeitstruktur, Action usw.) bewirkt hier oft Wunder im Sinne von “Hätte ich gewusst, dass du … .”.

Mehr zu den einzelnen Typen, entsprechenden Alltagssituation und auch warum ich mich dazu entschlossen habe, an einem neuen Modell mitzuarbeiten dann beim nächsten oder übernächsten Artikel.

Harald Karrer
      1 Kommentar      
19.05.2010

One comment on “Ansichtssache.

  1. Pingback: denkFusion » Du, Ich & die Gruppe.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

HTML-Tags sind nicht erlaubt.