Reagieren.

Hatte heute ein sehr interessantes Gespräch beim Mittagessen. Es ging dabei um Zeit für Dinge die uns wichtig sind. Meine Gesprächspartnerin erzählte mir, dass sie häufig im – so von ihr genannten – “Reaktions-Modus” ist. Sie meinte damit, dass ihr Leben zum Teil insofern fremdbestimmt ist, als das sie kaum mehr etwas für sich einplant, sondern in den meisten Fällen nur auf das reagiert, was von außen an sie herangetragen wird! Also Treffen mit Freunden dann, wenn sich diese melden. Besuche im Theater, wenn jemand einen Termin vorschlägt und Karten besorgt usw. Ich muss zugeben, dass mir das bekannt vorkam – auch wenn ich zur Zeit im “Luxus” lebe, was die Einteilung meiner Zeit & das Zeit-für-mich nehmen betrifft!

Foto by stefanweihs@flickr.com

Bei diesem Thema ist mir wieder eine interessante Coaching-Übung eingefallen. Der Klient wird dabei aufgefordert alles das auszuschreiben, was er gerne tun würde, wenn genügend Zeit zur Verfügung steht. Auf diesen Listen ist dann häufig zu lesen: Ausschlafen, ausgedehnt Frühstücken, ins Kino gehen, mit den eigenen Kindern spielen, einen schönen Abend mit dem Partner verbringen, ein gutes Buch lesen, Sport machen usw. Danach wird dem Klienten die unangenehmen Wahrheit mitgeteilt: DIE DINGE AUF DER LISTE SIND DIR NICHT WICHTIG GENUG, ALS DAS DU SIE TUN WÜRDEST. Oder anders gesagt: Alles was du jetzt tust, ist dir wichtiger!

Da ist es dann schon ganz schön bitter zu lesen, wenn beispielsweise steht: mit meinem Sohn spielen, oder: meinem Partner mehr Aufmerksamkeit schenken! Hand aufs Herz – was würde auf eurer Liste stehen? Mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nur unwichtige Dinge! Die Realität ist natürlich so, dass es auch ohne diese wichtigen Dinge geht, da das Nicht-Tun meist nicht mit einem unmittelbaren Schaden in Verbindung gebracht werden kann. Die Auswirkungen sind erst viel später spürbar. Da hilft es durchaus, ab und zu eine solche Liste zu erstellen und kritisch zu hinterfragen was drauf steht und warum. Es könnte sich sonst in Zukunft einmal rächen!

Mein Rat: Wer feststellt, permanent im Reaktions-Modus (oder auch dem Ich-funktioniere-Modus) zu sein, sollte unbedingt das Gespräch zu Freunden, zum Partner oder auch einem Coach suchen. Nur so kann die Situation bei Bedarf einmal fürs erste entschärft werden. Gemeinsam können dann Möglichkeiten gefunden werden, wie der Modus – zumindest zeitweise – unterbrochen werden kann. In einem Coaching können die Gründe dafür durchleuchtet werden, Ziele für die Zukunft formuliert und Maßnahmen zur Änderung des derzeitigen Verhaltens bewirkt werden. Aber wie immer: Der erste Schritt zur Besserung ist das eingestehen der gegenwärtigen Situation!

Harald Karrer
      2 Kommentare      
11.01.2011

2 comments on “Reagieren.

  1. Gilt ein „Eingestehen der gegenwärtigen Situation“ auch dann, wenn ich es als REAKTION auf deinen Artikel mache? ;-)

  2. Harald Karrer on said:

    Ich würde sagen, die Sache ist in diesem Fall noch nicht hoffnungslos. ;-)

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