Erste Hilfe.

Im Urlaub hatte ich mit meiner Partnerin auf einer Autofahrt ein interessantes Gespräch. Es ging dabei darum, wie unserer Erfahrung nach Menschen in den meisten Fällen mit Stresssituationen bzw. psychischen Belastungen umgehen. Manches kam dabei zur Sprache wie z.B. das Gespräch mit einem guten Freund um fürs Erste alles einmal loszuwerden oder alles mögliche an Essen in sich hineinzuschaufeln um wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen. (Beim Schreiben dieses Artikels fallen mir natürlich noch viel mehr Bespiele ein: Einkaufen gehen, fernsehen, sich bei einem Spiel abreagieren, Sport, das eine oder andere Glas Wein trinken usw.)

Wie sinnvoll sind jedoch diese “Maßnahmen” bzw. verschwindet die Belastung damit tatsächlich? Dass “sich alles von der Seele reden” gleich einmal Erleichterung bringen kann oder “Etwas zwischen die Zähne” das Gemüt beruhigt wird wohl kaum jemand bestreiten bzw. selbst bereits in der einen oder anderen Situation diese Erfahrungen gemacht haben – es muss natürlich nicht immer klappen. D.h. die betreffende Belastung scheint (zumindest vorläufig) damit vom Tisch zu sein. Dass der Schein hier trügt zeigt sich jedoch daran, dass uns bereits nur wenige Tage (oder gar Stunden) nach einem belastenden Erlebnis die damit verbundenen Emotionen wieder einholen können und der Stress wieder da ist.

Aus diesem Grund halte ich es für angebracht die oben erwähnten Maßnahmen eher als Erste Hilfe zu sehen und nicht als Lösung. Vergleichbar einer physischen Verletzung kann eine solche Hilfe fürs Erste Abhilfe schaffen – ersetzt aber keine Behandlung! Bei körperlichen Gebrechen wird das im Allgemeinen auch von jedem Menschen bejaht werden – bei emotionalen Belastungen sieht die Sache aber ganz anders aus. Im Regelfall bleibt es hier bei der Ersten-Hilfe-Maßnahme! Der/die Betreffende ist dabei gerade einmal wieder so fit, um sich in die nächste verletzende Situation begeben zu können. Dieser Kreislauf wiederholt sich bei vielen Menschen ein Leben lang!

Erste_Hilfe

Die Lösung: Nur wer sich die Verhaltensmuster bzw. Glaubenssätze hinter den Auswirkungen dieser Belastungen genauer ansieht, sich mit seinen Schattenseiten konfrontiert, wird bereit sein, entsprechende Hilfe anzunehmen bzw. sich das notwendige Rüstzeug zulegen um sich dauerhaft von einschränkenden Mustern zu befreien, authentischer leben zu können und schließlich mit Gelassenheit die eigenen Lebensziele zu verwirklichen. – Erste Hilfe reicht dazu nicht aus!

Harald Karrer
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25.07.2011

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