Stillstand.

Die Stille stillt.” ist ein Satz aus einer philosophischen Abhandlung des Phänomenologen Martin Heidegger. Er hat sich Zeit seines Lebens insbesondere auch der menschlichen Sprache gewidmet. Und tatsächlich ist die Sprache unabdingbare für das Sein des Menschen! Nicht aber unbedingt das Sprechen selbst. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es für mich einmal eine Zeit gab, in der ich Stille (im allein-sein) überhaupt nicht ertrage konnte. Gerade zu Beginn meiner Erfahrungen mit Zen-Meditation war das Sitzen mit offenen Augen, den Blick einen Meter vor mir auf den Boden gesenkt, Stunde um Stunde, alles andere als angenehm.

Ein Phänomen, von dem viele Menschen berichten – nach dem Motto:
Ich halte die Stille nicht aus! Es treibt mich regelrecht in den Wahnsinn mit meinen Gedanken alleine (in der Stille) zu sein!
Erst viele Jahre später kam ich in den besonderen Genuss der “stillenden” Stille – der Gedankenstille. Eine Stille, die mich auch in einer Masse von anderen Menschen begleiten kann. Und vor allem: Eine Stille, die mich in besonderer Weise nährt (stillt) – sie gibt mir das Gefühl von Geborgenheit. Eine Erfahrung, von der ich bereits in meinem letzten Artikel berichtet hatte.

Young woman breast feeding a baby --- Image by © Royalty-Free/Corbis

Den Begriff “stillen” kennen wir meist nur in Zusammenhang mit: eine Mutter stillt ihr Kind. Das trifft es ja auch ganz gut wie ich meine. Das Kleine bekommt Nahrung, fühlt sich geborgen und seine Bedürfnisse sind … genau – gestillt! Es macht uns also glücklich, wenn unsere Bedürfnisse gestillt werden – noch besser: wenn wir unsere Bedürfnisse selbst stillen können! Im Coaching berichten mir jedoch Menschen regelmäßig davon, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse gar nicht (mehr) wahrnehmen können (außer jenen an der Oberfläche deren Befriedigung dann doch wieder nicht glücklich macht, weil sie sich als Fass ohne Boden erweisen … ich denke da bspw. an “mehr Geld” … sogenannte “Ersatzbefriedigungen”). Vor allem Menschen, die gerne anderen “helfen” nehmen häufig ihre eigenen Bedürfnisse nicht wahr, sondern sind regelrecht auf der Suche nach der Befriedigung der Bedürfnisse der anderen – und auch das entpuppt sich dann in den meisten Fällen als “Fass ohne Boden” / als eine Ersatzbefriedigung. Solchen Menschen sei fürs Erste geraten:
Hilf nur, wenn du gefragt wirst!

Hilfreich für jeden von uns ist es jedoch sich folgende Frage zu stellen:
Was stillt (nährt) mich wirklich?

Es würde mich freuen, die eine oder andere Antwort von euch als Kommentar zu diesem Artikel lesen zu dürfen. :)

Harald Karrer
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15.03.2012

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