Aufmerksam.

Kürzlich in Wiens beliebtester Einkaufsstraße hat sich folgende Szene abgespielt: Unterwegs zu einem Termin marschiere ich flotten Schrittes, meine Kopfhörer in den Ohren, den Gehsteig entlang. Ohne es zu merken, betrat ich dabei das “Jagdgebiet” jener Jugendlichen, die mit Klemmbrettern bewaffnet dort Gelder für die gute Sache sammelten! – Ich denke, fast jeder von uns ist bereits einmal (oder mehrmals) von ihnen auf der Straße angesprochen worden. Bei mir kam erschwerend hinzu, dass ich verbal nicht erreichbar war (wie gesagt, hatte ich meine Kopfhörer in den Ohren) & zudem sehr flott unterwegs war.

aufmerksam

Trotzdem fasste sich einer ein Herz und … und ja, versuchte meine Aufmerksamkeit zu erlangen, indem er mit einer Hand begann, vor meinem Gesicht (in 10 cm Abstand) hin und her zu winken! “Arrrrrgh!” mögen sich jetzt manche denken – “Das mag ich überhaupt nicht, wenn mir jemand so nahe kommt … .” Nicht zu Unrecht! Tatsächlich ist es sehr unangenehm, wenn plötzlich jemand in unseren “Privatbereich” eindringt bzw. uns sogar berührt! Natürlich hatte derjenige meine Aufmerksamkeit, ABER auf eine sehr negative Art und Weise, was für den Verlauf des folgenden Gesprächs (und der damit verbundenen Spende) nicht gerade zuträglich war.

Welche Möglichkeiten hätte jedoch mein Gegenüber gehabt, um positiv auf sich bzw. seine Sache aufmerksam zu machen? Denkt einmal darüber nach, was euch spontan einfallen würde, bevor ihr weiterlest!

Beim Nachdenken über verschiedene Möglichkeiten ist mir aufgefallen, dass es Themen usw. gibt, bei welchen wir immer schon mit einer bestimmten “Rest-Aufmerksamkeit” sind. Soll heißen, Themen, welche uns im Grunde genommen nie ganz loslassen! Da wäre zum Beispiel das Thema Geld! Stellt euch vor, jemand streckt euch einen Geldschein entgegen … hätte sie/er nicht sofort eure Aufmerksamkeit? Oder ein Mobiltelefon … beobachtet einmal, wie sehr dieses Gerät die Aufmerksamkeit von ihren Besitzern in Anspruch nimmt … alleine beim Klingeln in einer Masse von Menschen kommen viele nicht drum herum, in ihre Tasche zu greifen. Und je länger man darüber nachdenkt, desto mehr Themen, Gegenstände usw. kommen uns in den Sinn … . Und zwar dann, wenn ihr eure Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenkt!

Womit wir beim eigentlichen Thema wären: Die Macht der Aufmerksamkeit! Eine enorm spannende Sache die unglaublich viel bewegen kann. Sowohl beruflich, als auch privat! In unserer schnelllebigen Zeit prasseln unglaublich viele Dinge auf uns ein, die nach unserer Aufmerksamkeit verlangen! Auf einen längeren Zeitraum gesehen, bringt uns diese “Flut der Achtsamkeit” an unsere Grenzen und löst letztendlich Stress bei uns aus. D.h. es ist jedenfalls spannend, eure Aufmerksamkeit diesem Thema zu schenken, um sein Leben möglichst entspannt und frei führen zu können. Auf was es dabei meiner Meinung nach ankommt, wird Thema in meinem nächsten Artikel sein. :)

Harald Karrer
      2 Kommentare      
13.09.2012

2 comments on “Aufmerksam.

  1. Aufmerksamkeit oder nicht, das ist hier die Frage

    Wären Gedanken Energie, so würde der Monitor vor mir in diesem Moment zerstört werden. Das Plastik würde in Bächen karzinogener Schmelze auf den Schreibtisch fließen und die Leiterplatten zu faustgroßen Klumpen mit Einschlüssen aus Edelmetall glasieren. Ein blasenwerfender Haufen Schlacke wäre das Ergebnis und der ganze Prozess noch dazu beängstigend lautlos, denn das zufriedenstellende Krachen einer implodierenden Röhre gehört ja nun endgültig der Vergangenheit an.

    Ok, der Monitor ist noch da, also scheinbar nix mit der Energie. Dabei habe ich mich doch soooo konzentriert und sooooviel Aufmerksamkeit auf das (Mist)ding gerichtet.

    Andererseits ist das auch ein Glück, weil ohne die Aufmerksamkeit auf etwas zu richten, kann ich nichts erledigen. Mails bleiben ungeschrieben, Fehler nicht gefunden, Präsentationen unvorbereitet und die klitzekleinen Zahlen in den Excel-Tabellen würden nicht stimmen. Und ich kann mir wohl nicht nach jeder dieser Tätigkeiten einen neuen Monitor kaufen. Eben.

    Nun gut, ohne Aufmerksamkeit keine Musi, aber wo soll ich dann Ideen und neue Gedanken herkriegen? Auf die kann ich mich nicht konzentrieren und wenn ich meine Aufmerksamkeit auf die kleinen Viecher richte, dann sausen sie nur flink davon und zeigen mir die Zunge. Wie fange ich sie ein?

    Für mich funktioniert es am Besten, wenn ich mich pfeifend und säuselnd und ganz den Unbeteiligten spielend, seitlich an sie heranschiebe. Jeder direkte Augenkontakt muss vermieden werden, selbst den Kopf darf man nur leicht schief halten. Alles nur keinen Verdacht erwecken. Noch ein Schritt, ja nicht zu schnell und dann… HA! Hab ich dich!

    Gedanken sind wie Tiere. Auch wenn sie noch so klug sind, kann man sie austricksen. Einfach so tun, als ob man ihnen keinerlei Aufmerksamkeit schenken würde und dann einen gebündelten Gedankenstrahl auf sie loslassen. Wie ein Reh im Scheinwerferlicht bleibt auch der Gedanke erstarrt stehen und ich kann ihn ohne Gegenwehr erlegen.

    Ab in die Küche mit der Idee und schön zubereitet. Jetzt ist wieder Zeit für Aufmerksamkeit, außer man ist gerade ein Koch auf Inspirationssuche. Lieber genau konzentrieren, ob die Idee schon reif ist, die einzelnen Zutaten auch zusammenpassen und vor allem, ob ich oder jemand anderer das überhaupt konsumieren möchte.

    Guten Appetit!

  2. Harald Karrer on said:

    Vielen Dank für diesen sehr unterhaltsamen und wahren Beitrag!
    Ein süffiger Cocktail! ;)

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