Du, Ich & die Gruppe.

In den vergangenen Tagen war ich auf einem spannenden Seminar zum Thema “Gruppendynamik”. Was mir dort vor allem gut gefallen hat, waren die zahlreichen Übungen anhand derer verschiedene Erkenntnisse sehr anschaulich & hautnah erarbeitet wurden. Ich dachte mir, Grund genug um meine Eindrücke in einem Artikel zu reflektieren bzw. weitere Fragen aufzuwerfen.

So eine Gruppe ist eine spannende Sache – vor allem schon einmal deswegen, wenn ich mir die Frage stelle, warum gibt es überhaupt so etwas wie eine Gruppe? Im Allgemeinen wird das wohl an den Motiven (dem Gruppenziel, dem Sinn hinter der Gruppe) liegen, dass sich selbige formiert. Spannend ist aber auch in Folge, wer sich wo & warum dann im Gruppengefüge wiederfindet. Wenn ich mir so etwas wie ein virtuelles Zentrum einer Gruppe vorstelle, wird dieses von den besonders (gruppendynamisch) starken Personen gebildet. Die “Schwachen” befinden sich (wieder virtuelle gesehen) eher am Rand der Gruppe und haben folglich auch weniger Einfluss, was die Entscheidungen der Gruppe betrifft – zumindest unmittelbar:

Gruppendynamik

Das einzelne Gruppenmitglied wird freilich nur solange (freiwillig) in der Gruppe bleiben, als für sie/ihn die Vorteile überwiegen. Was auch immer das dann sein mag. Unfreiwillig könnte man natürlich wiederum aus der Gruppe “entfernt” werden, wenn nach Ansicht der anderen Mitglieder der Beitrag zu gering ausfällt – hier werden zumindest die gruppendynamisch starken Mitglieder ein gewichtiges Wort mitzureden haben. Das sagt natürlich noch nichts darüber aus, ob es besser ist am Rand oder im Zentrum der Gruppe zu stehen. Auch wenn die logischen Argumente für eine dieser Positionen überwiegen mögen, ist es vor allem von der eigenen Persönlichkeitsstruktur abhängig, an welcher Stelle der Gruppe wir uns wohl fühlen. Entscheidend ist, ob unsere Bedürfnisse befriedigt werden.

Wenn ihr euch erinnert, hatte ich das Thema “Persönlichkeitsstruktur” bereits einmal “ver-artikelt” (-> Ansichtssache). Die Bedürfnisse der einzelnen Persönlichkeitstypen können auf positive oder negative Weise befriedigt werden. Da wäre zum Beispiel die Rolle des Verwirklichers, dessen Bedürfnis das Führen der Gruppe ist – die Rolle des Meinungsbildners in der Gruppe ist hingegen eine ganz andere. Er wird ganz besonders als Indikator dafür gesehen, ob denn die Werte und das Ziel in der Gruppe noch stimmig sind – vor allem geben die anderen Gruppenmitglieder darauf acht, wie mit dem Meinungsbildner umgegangen wird! Der Gefühlstypus wiederum hat die Rolle des “Harmonisierers” und der Verstandestyp plant und organisiert die Aufgaben der Gruppe. – Das sind alles positive Beispiele dafür, wenn die jeweilige Person ihre Bedürfnisse frei ausleben kann/darf. Problematisch wird es hingegen, wenn diese Bedürfnisse blockiert sind/werden.

In diesem Fall würde der Verwirklicher “machthungrig” seine Position behaupten und sich entsprechender Methoden und Mittel bedienen. Der Meinungsbildner würde aus jedem Gespräch eine Diskussion machen, der Gefühlstyp alles sehr persönlich nehmen und der Verstandestyp hilflos im Perfektionismus aufgehen. Kommt euch vielleicht das Eine oder Andere bekannt vor? ;-)

Das Besondere an diesen Rollen ist, dass Sie nicht nur in einer Gruppe von mehreren Menschen gelebt werden sondern, dass alle 9 Persönlichkeitstypen (nach dem 9parts-Persönlichkeitsmodell)  in jedem Einzelnen von uns in verschiedener Ausprägung wiederzufinden sind. Was wiederum heißt, dass jeder von uns grundsätzlich Zugang zu diesen Rollen hat – manche fallen uns eben leichter und andere schwieriger. Die gute Nachricht: Wer seine Struktur kennt, kann hervorragend an der “Befreiung” des eigenen Potentials arbeiten und gezielt jeden dieser Typen einsetzen! Mehr dazu vielleicht ein anders Mal mehr. :-)

Harald Karrer
      2 Kommentare      
28.06.2010

2 comments on “Du, Ich & die Gruppe.

  1. Sabine Praunseis on said:

    Hallo,
    Du erwähnst in Deinem Artikel nichts von den Alpha, Beta,Gamma und Omega. und welche Phasen die Teilnehmer durchlaufen bis eine richtige Gruppe daraus wird… der Führer und den informellen Führer…
    DANKE jedoch für diese Art der Beleuchtung des Thema’s
    LG
    Sabine

  2. Harald Karrer on said:

    Eine Gruppe ist tatsächlich ein Phänomen, welches uns Menschen seit jeher fasziniert! Es gibt dazu zahlreiche Studien und Erkenntnisse.
    Spannend ist in diesem Zusammenhang auch das Thema „Movement“. Auf „TED“ gab es dazu einen faszinierenden Beitrag: http://www.youtube.com/watch?v=V74AxCqOTvg

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